Schnorcheln in Hamata: Warum der abgelegenste Riff Ägyptens die Busfahrt mehr als wert ist
Hamata liegt im Nationalpark Wadi El-Gemal, rund 85 km südlich von Marsa Alam, und gilt unter Tauchern und Schnorchlern als eines der intaktesten Meeresschutzgebiete am ägyptischen Roten Meer. An einem einzigen Tag besuchen Sie drei völlig verschiedene Schnorchelstellen: eine unberührte Koralleninsel, eine Mangroveninsel und ein klassisches Riff — mit Mittagessen an Bord und Rückkehr zum Hotel gegen 16:30 Uhr.
Wer schon einmal in Marsa Alam geschnorchelt hat und jemanden trifft, der Hamata kennt, bekommt fast immer dieselbe Reaktion zu hören: „Warum bist du nicht nach Hamata gefahren?"
Der Unterschied zwischen den beiden Erfahrungen ist kleiner, als er auf der Karte aussieht — und größer, als die meisten Urlauber erwarten, bis sie es selbst erlebt haben.
Die Riffe bei Marsa Alam sind gut. Ordentliche Sichtweite, solides Fischvorkommen, bequem erreichbar. Sie werden auch täglich von dutzenden Booten angesteuert, von Hunderten von Schnorchlern, sieben Tage die Woche, die gesamte Saison über. Hamata liegt 85 Kilometer weiter südlich, innerhalb eines Nationalparks, und an den meisten Tagen teilen Sie das Wasser dort mit einem Bruchteil der Besucher.
Dieser Unterschied — in der Entfernung, im Schutzstatus, in der Zahl der Boote — spiegelt sich direkt im Unterwasserbild. Die Korallen sind gesünder. Der Fischbestand ist dichter. Und zwei der drei Schnorchelstellen, die Sie hier besuchen, gibt es in dieser Form nirgendwo sonst an der ägyptischen Küste.
Das ist die Geschichte eines Tages in Hamata — warum er sich lohnt, was Sie bei jedem der drei Stopps erwartet, und was deutsche Reisende am häufigsten als Überraschung des Tages nennen.
Was ist der Nationalpark Wadi El-Gemal?
Wadi El-Gemal — auf Deutsch etwa „Kameltal" — ist ein Schutzgebiet im südlichen Abschnitt des ägyptischen Roten Meeres, das 2003 ausgewiesen wurde. Es erstreckt sich vom Hinterland bis mehrere Kilometer ins Meer hinaus und umfasst Wüstengebiete, Küstenlebensräume, Mangrovenwälder und eine Kette von Koralleninseln in außergewöhnlich klarem Wasser.
Der nationale Parkstatus bedeutet: kein kommerzieller Fischfang, kontrollierter Bootsverkehr, keine Küstenverbauung. Das sind keine theoretischen Schutzmaßnahmen — das sind die konkreten Gründe, warum das Riff hier noch so aussieht, wie es aussieht.
Die Busfahrt: das Geheimnis hinter dem Geheimnis
Klar ausgedrückt: Hamata erfordert eine rund einstündige Busfahrt südlich von Marsa Alam. Abholung an den Hotels ist um 06:40 Uhr. Rückkehr gegen 16:30 Uhr.
Beides ist kein Problem. Beides ist eigentlich der Grund, warum Hamata noch ist, was es ist.
Die Entfernung ist genau das, was die Tagestour-Boote von Marsa Alam davon abhält, hier täglich hinzufahren. Sie ist der Grund, warum dieses Riff nicht die gleiche Besucherzahl abbekommt wie die Stellen direkt vor der Küste. Und der frühe Start bedeutet: Sie sind auf dem Wasser, bevor die Hitze des Tages ihren Höhepunkt erreicht.
Deutsche Reisende, die beide Varianten kennen — Standardtouren bei Marsa Alam und Hamata — sind sich in den Erfahrungsberichten nahezu einig: Die Busfahrt ist vergessen, spätestens wenn das Boot die Marina verlässt.
Die drei Inseln: was jede einzelne besonders macht
Viele Tourbeschreibungen behandeln alle drei Stopps wie austauschbare Punkte auf einer Liste. Das ist falsch. Jede der drei Inseln ist eine eigene Welt — und genau diese Vielfalt macht den Tag aus.
Erste Insel: Die unberührte Koralleninsel
Der erste Schnorchelstopp ist an einer unbewohnten Koralleninsel ohne jede menschliche Infrastruktur. Kein Steg, keine Markierungsbojen für Tourboote, keine Liegestühle am Strand. Nur die Insel, das Riff darum herum — und was auch immer an diesem Morgen dort lebt.
Die Korallendecke ist hier deutlich intakter als an Riffen, die regelmäßig von Booten frequentiert werden. Seegraswiesen — ein lebenswichtiger Lebensraum für Seekühe, die in diesen Gewässern gelegentlich gesichtet werden — erstrecken sich über den sandigen Grund zwischen den Korallenstrukturen. Der Fischbestand, besonders bei Arten wie Zackenbarsch und Riffhai, die stark besuchte Gebiete meiden, ist spürbar höher.
Was viele Schnorchler an diesem Stopp beschreiben: Man hört auf zu reden. Nicht weil es nichts zu sagen gäbe — sondern weil unter Wasser gerade so viel passiert, dass Sprache aufhört, notwendig zu sein.
Zweite Insel: Die Mangroveninsel
Der zweite Stopp ist derjenige, der die meisten Besucher überrascht — auch erfahrene Schnorchler, die glauben zu wissen, was sie am Roten Meer erwartet.
Mangrovenwälder sind an der ägyptischen Küste selten. Weltweit gehören Mangroven zu den produktivsten Ökosystemen der Erde: Die Wurzelsysteme schaffen einen dreidimensionalen Lebensraum, in dem Jungfische aufwachsen, Sedimente gefiltert werden und Arten Schutz finden, die auf einem offenen Riff nicht überleben würden. Hier erstreckt sich der Mangrovenwald bis ins Wasser — ein dichtes Gewirr aus Luftwurzeln und Unterwasserstrukturen, das wie nichts sonst an dieser Küste aussieht.
Schnorcheln in einem Mangrovensystem ist langsamer und detailreicher als Riffschnorcheln. Man bewegt sich weniger, schaut genauer hin, beobachtet, wie Tiere sich in einem vollständig anderen Umfeld verhalten und verstecken. Fotografen verbringen hier regelmäßig mehr Zeit als geplant. Und Reisende, die normalerweise wenig Fragen stellen, werden an diesem Stopp häufig sehr gesprächig — weil sie schlicht noch nie etwas Ähnliches gesehen haben.
Dritte Insel: Das Riff
Der dritte Stopp ist das klassischste der drei Schnorchelerlebnisse — ein Korallenriff mit der Vielfalt und Farbigkeit, für die das Rote Meer international bekannt ist. Große Korallenformationen, Fischschwärme in der Strömung, Riffhaie am Rand der Sichtweite.
Auf den meisten anderen Touren wäre das der Höhepunkt des Tages. Hier ist es das Finale — was einiges über die Qualität der beiden vorangegangenen Stopps aussagt.
Mittagessen auf dem Wasser
Zwischen dem zweiten und dritten Schnorchelstopp gibt es Mittagessen an Bord. Das klingt nach einem logistischen Detail — ist es aber nur auf dem Papier. Auf einem Boot, das in einem Nationalpark liegt, mit freier Sicht auf offenes Wasser und keinem anderen Fahrzeug in Sichtweite, schmeckt das Essen anders als sein Inhalt vermuten lässt.
Riffverträgliche Sonnencreme: Warum das hier ernst gemeint ist
Im Nationalpark Wadi El-Gemal gilt eine Regel, die konsequent durchgesetzt wird: Herkömmliche chemische Sonnencremes sind im Wasser nicht erlaubt. Das ist keine bürokratische Vorsichtsmaßnahme — Oxybenzon und Octinoxat, die Wirkstoffe in den meisten Standardprodukten, schädigen Korallengewebe und stören die Fortpflanzungszyklen von Meereslebewesen, selbst in geringen Konzentrationen.
Mitgebracht werden sollte ausschließlich mineralische Sonnencreme auf Basis von Zinkoxid oder Titandioxid. Diese sind in Apotheken und Reformhäusern erhältlich. Die Beschaffenheit der Korallen in Hamata ist zu einem nicht unerheblichen Teil das Ergebnis dieser Schutzmaßnahmen — was man unter Wasser direkt sehen kann.
Für wen eignet sich dieser Ausflug?
Die Bandbreite ist größer als man erwarten würde.
Schnorchelanfänger sind gut aufgehoben, weil die Gewässer innerhalb des Nationalparks ruhig und geschützt sind. Die Stopps erfordern keine Taucherfahrung und keine besondere Schwimmkondition — Grundkenntnisse im Schwimmen genügen, das nötige Ausrüstung ist an Bord.
Gleichzeitig ist Hamata ein Ziel, das erfahrene Unterwasserfotografen, Taucher auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Schnorcheloption und Reisende mit echtem Interesse an Meeresökologie anzieht. Allein das Mangrovensystem ist für jeden, der sich für das Rote Meer jenseits der Standardriffe interessiert, eine Reise wert.
Familien mit Kindern, die schwimmen können, berichten diesen Ausflug regelmäßig als einen der besten Tage ihres Ägyptenurlaubs — gerade weil die Schnorchelstellen wirklich außergewöhnlich sind und nicht einfach „schönes Riff mit Fischen".
Praktische Infos auf einen Blick
Abfahrt: 06:40 Uhr Abholung an den Hotels in der Region Marsa Alam. Rückkehr gegen 16:30 Uhr.
Entfernung zur Hamata Marina: Ca. 85 km südlich von Marsa Alam, etwa eine Stunde Fahrtzeit.
Ausrüstung: Schnorchelausrüstung ist an Bord. Eigene Ausrüstung kann mitgebracht werden, falls eine bestimmte Maskengröße bevorzugt wird.
Mittagessen: Inklusive, wird zwischen zwei Schnorchelstopps an Bord serviert.
Was mitbringen:
Mineralische Sonnencreme (Zinkoxid oder Titandioxid — Pflicht im Nationalpark)
Badezeug und Handtuch
Eine leichte Schicht für die frühe Busfahrt
Unterwasserkamera oder wasserdichte Handyhülle
Ausreichend Wasser für die Fahrt nach Hamata
Häufig gestellte Fragen
Ist Hamata wirklich besser als Schnorcheln bei Marsa Alam? Für die meisten Menschen: ja — und der Unterschied ist spürbar, nicht nur subjektiv. Schutzstatus, geringeres Bootsaufkommen und zwei ungewöhnliche Schnorchelumgebungen (unberührte Koralleninsel und Mangrovenwald) machen diesen Ausflug zu einer vollständigeren und nachhaltigeren Erfahrung als die üblichen Tagestouren vor der Küste.
Brauche ich Schnorchelerfahrung? Nein. Die ruhigen, geschützten Gewässer im Nationalpark machen diesen Ausflug auch für Einsteiger geeignet. Grundlegendes Schwimmen genügt.
Gibt es Haie? Riffhaie — vor allem Schwarzspitzen- und Weißspitzenriffhaie — kommen am dritten Stopp regelmäßig vor. Sie stellen keine Gefahr für Schnorchler dar, und die meisten Teilnehmer beschreiben eine Sichtung als einen der Höhepunkte des Tages.
Kann man Seekühe sehen? Seekühe (Dugongs) sind in diesen Gewässern heimisch — die Seegraswiesen bei der ersten Insel sind aktives Fresshabitat. Sichtungen sind nicht garantiert und bei normalen Schnorcheltouren selten, kommen aber vor — besonders in den frühen Morgenstunden.
Warum ist der Nationalpark-Status für das Schnorcheln relevant? Schutzstatus begrenzt kommerziellen Fischfang und Bootsverkehr — beides wirkt sich direkt auf die Gesundheit von Korallenriffen und Fischbeständen aus. Der Unterschied zwischen einem geschützten Riff und einem, das täglich von vielen Booten besucht wird, zeigt sich unter Wasser sofort: in der Korallendecke, im Fischvorkommen und im Vorhandensein größerer Arten, die stark besuchte Gebiete in der Regel meiden.
Ist der Ausflug für Kinder geeignet? Ja, sofern sie schwimmen können. Die ruhigen, abgeschirmten Gewässer im Nationalpark sind deutlich angenehmer als offene Riffsituationen, und das Meeresleben ist nah genug an der Oberfläche, dass auch jüngere Schnorchler ohne Abtauchen viel sehen.
Wann ist die beste Reisezeit für Hamata? Ganzjährig. Die Wassertemperatur liegt zwischen rund 22 °C im Winter und 30 °C im Sommer, die Sichtweite ist in beiden Jahreszeiten in der Regel ausgezeichnet. Im Sommer ist ein einfaches Lycra-Shirt ausreichend; in den Wintermonaten ist ein dünner Neoprenanzug für längere Schnorchelzeiten empfehlenswert.
Anzahl der Personen | Fahrzeugtyp / Privat | Preis pro Erw. |
2 Persons | Private car | 125€ p.P. |
3-4 Persons | Mini bus | 105€ p.P. |
5-6 Persons | Mini bus | 90€ p.P. |
7-8 Persons | Mini bus | 75€ p.P. |